Europas Rüstungsindustrie: Wachstum trotz Krise
Die europäische Rüstungsindustrie erlebt aktuell den größten Personalbedarf seit mehr als acht Jahrzehnten.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wächst die Branche stark – angetrieben durch steigende Verteidigungsbudgets,
technologische Innovationen und geopolitische Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum kann die Rüstungsindustrie trotz Krise wachsen?
- Technologische Trends: Cybersecurity, Drohnen, Sensorik, KI
- Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen – und wer stellt ein?
- Wie verändert sich die Attraktivität als Arbeitgeber?
- Welche Fachkräfte werden gesucht?
- Was ist eine Sicherheitsüberprüfung?
- Wie bleiben Unternehmen trotz Prüfungen handlungsfähig?
- Darf man Subunternehmen beauftragen?
- Jetzt anfragen
- FAQ
Warum kann die Rüstungsindustrie trotz Krise wachsen?
Die Rüstungsindustrie funktioniert in vielen Punkten anders als klassische Industriezweige. Während Konsumgüter-, Bau- oder Automobilbranchen stark von Konjunktur und Kaufkraft abhängig sind, orientiert sich die Defence-Industrie fast ausschließlich an politischen Beschlüssen und langfristigen Sicherheitsinteressen.
Genehmigte Milliardenprogramme laufen über 10–15 Jahre – unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen. Unternehmen müssen frühzeitig Fertigung, Personal und Lieferketten aufbauen, sodass selbst eine schwache Konjunktur das Wachstum nicht stoppt.
Welche technologischen Trends treiben das Wachstum zusätzlich an?
Moderne Verteidigungssysteme sind digital, vernetzt und zunehmend autonom. Dadurch wächst der Bedarf an Hightech-Kompetenzen erheblich.
Besonders stark gefragt sind:
- Cybersecurity
- Drohnen- und UAV-Technologien
- Sensorik & Radar
- Künstliche Intelligenz & Datenanalyse
Parallel zur klassischen Fertigung entsteht ein leistungsstarker Hightech-Sektor, der zum Wachstumsmotor der gesamten Branche wird.
Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen – und wer stellt ein?
In den NATO-Staaten sollen rund 1,9 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen – davon:
- ca. 600.000 direkt in der Rüstungsindustrie
- rund 1 Million bei Zulieferern
Allein in Deutschland rechnet man mit bis zu 360.000 neuen oder gesicherten Stellen.
Unternehmen wie Rheinmetall, Hensoldt oder Renk melden bereits eine stark steigende Zahl an Bewerbungen – von 175.000 (2024) auf prognostizierte 300.000 im Folgejahr.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an flexiblen Kapazitäten enorm. Immer mehr Firmen greifen auf externe Subunternehmen als schnelle Verstärkung zurück.
Wie verändert sich die Attraktivität der Rüstungsindustrie als Arbeitgeber?
Lange wurde die Branche kritisch betrachtet. Doch der Ukrainekrieg hat die öffentliche Wahrnehmung verändert. Verteidigungsfähigkeit und Sicherheit rücken stärker in den Fokus.
Die Folge: eine deutlich höhere gesellschaftliche Akzeptanz – sowohl in Bezug auf Investitionen als auch für Karrieren.
Zusätzlich wird die Branche beruflich attraktiver durch:
- langfristige Auftragssicherheit
- moderne Hightech-Arbeitsfelder
- spannende Karrierewege
- stabile Wachstumsprognosen
Welche Fachkräfte werden in der Rüstungsindustrie gesucht?
Gesucht werden vor allem Fachkräfte, die Produktion, Entwicklung oder technologische Systeme unterstützen können – u.a.:
- Ingenieure
- Elektriker, Mechaniker, Schweißer
- IT- und Softwareentwickler
- Produktions- & Anlagenpersonal
- Forschung & Entwicklung
Die Branche leidet jedoch unter Fachkräftemangel. Deshalb setzen viele Unternehmen auf:
- Subunternehmen mit sofort einsatzbereiten Teams
- Fachkräfte, die aus der Autoindustrie wechseln
Was ist eine Sicherheitsüberprüfung – und warum verzögert sie Neueinstellungen?
Viele Tätigkeiten in der Rüstungsindustrie benötigen Sicherheitsfreigaben. Je nach Rolle gibt es drei Stufen:
Ü1 – Vertraulich
- Dauer: 4–8 Wochen
- Basis-Identitätsprüfung, Registerabfragen
Ü2 – Geheim
- Dauer: 3–6 Monate
- Polizeiliche Auskünfte, Social-Media-Check
- Prüfung des Partners
Ü3 – Streng Geheim
- Dauer: 6–9 Monate
- Referenzbefragungen, Finanzchecks
- umfangreiche Ermittlungen
Diese Prozesse lassen sich nicht beschleunigen – daher verzögern sie die unmittelbare Personalplanung.
Wie bleiben Unternehmen trotz Sicherheitsprüfungen handlungsfähig?
Unternehmen nutzen verschiedene Übergangsstrategien:
- interne Umverteilung von Aufgaben
- temporäre Teamneustrukturierung
- Mehrverantwortung für erfahrene Mitarbeiter:innen
Doch all das reicht oft nicht aus. Deshalb steigt der Bedarf an externen Teams in unkritischen Bereichen massiv.
Darf man Subunternehmen in der Rüstungsindustrie beauftragen?
Ja – jedoch nur für Bereiche ohne direkten Zugang zu Verschlusssachen.
Erlaubt sind Tätigkeiten in:
- Produktion
- Mechanik & Elektrik
- Montage
- Anlagenbau
- nicht-klassifizierten Bauteilen
Nicht erlaubt hingegen:
- VS-NfD
- VS-Vertraulich
- GEHEIM / STRENG GEHEIM
Für alle unkritischen Tätigkeiten sind Subunternehmen eine schnelle und effektive Lösung.
FAQ
1. Wie stark beeinflusst der Ukrainekrieg die Industrie?
Er beschleunigt Budgets, Produktionsausbau und Personalbedarf enorm.
2. Warum kann man nicht schneller produzieren?
Weil Fachkräfte, Lieferketten und Sicherheitsfreigaben Engpässe verursachen.
3. Welche Rolle spielen Zulieferer?
Eine zentrale – viele Komponenten stammen aus hochspezialisierten Betrieben.
4. Warum konkurriert die Branche mit Tech-Unternehmen?
Weil moderne Systeme Software, KI und Sensorik benötigen – alles typische IT-Profile.
5. Wieso dauern Sicherheitsüberprüfungen so lange?
Die Prozesse sind gesetzlich festgelegt und nicht beschleunigbar.
6. Wofür dürfen Subunternehmen eingesetzt werden?
Für alle nicht-klassifizierten Tätigkeiten wie Produktion, Mechanik, Elektrik, Montage.