Lean Construction Management: Prozessoptimierung im Bauwesen

Bau- und Projektleiter wissen heute mehr denn je: Eine Baustelle verzeiht keine schlecht abgestimmten Abläufe. In den unterschiedlichen Bauphasen reicht eine kleine Störung – und der gesamte Bauplan gerät ins Wanken. Fertigstellungstermine verschieben sich, Gewerkwechsel funktionieren nicht wie geplant und Kosten steigen, obwohl sie vermeidbar wären. Was als Einzelproblem beginnt, führt schnell zu Behinderungen, Verzögerungen oder im schlimmsten Fall zum Stillstand. Lean Cunstruction Management setzt genau hier an und hilft, vorhersehbare wie auch hausgemachte Probleme frühzeitig zu erkennen und systematisch zu vermeiden.

Der Hintergrund des Lean Construction Management

Dieses System kommt eigentlich aus der japanischen Automobilbranche. Um genau zu sein, vom Toyota Produktionssystem, kurz TPS. Dieses System ist nicht neu. Der Grundstein dafür wurde bereits 1902 von Toyoda Sakichi gelegt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Toyota Produktionssystem weiterentwickelt, da Ressourcenknappheit herrschte und man es sich einfach ausgedrückt nicht leisten konnte, Materialien durch unnötige Fehler oder Mängel zu verschwenden.

Hinter der Entwicklung des Lean Construction Management für das Bauwesen stehen Lauri Koskela, Gregory Howell und Glenn Ballard. Diese drei haben die Prinzipien der „Lean-Methode“ für das Bauwesen abgewandelt und angepasst.

Wie funktioniert Lean Construction Management auf der Baustelle?

Die Probleme sind leicht ersichtlich. Fehlt der Blick auf alle ineinander verwobenen Workflows, gibt es zu viele Beteiligte und werden Unmengen (auch unnötige) Informationen weitergegeben oder weitergeleitet, verliert man den Gesamtüberblick über die wichtigen Prozesse. Das Zusammenspiel zwischen Planung und Umsetzung, die nötig sind, damit eine Baustelle effizient funktioniert, geht abhanden. Natürlich ist Chaos die Folge, ebenso wie wütende Auftraggeber, Generalunternehmer und Subunternehmer. Diesen Zustand könnte das Lean Construction Management verhindern. Es erfreut sich an immer größerer Beliebtheit und wird auch in Deutschland bereits eingesetzt.

Das Ziel des Lean Construction Management, kurz LCM ist es, die Baustellenprozesse transparent und effektiv für allen Beteiligten zu erarbeiten, darzustellen und umzusetzen. Dabei soll durch die ideale Abstimmung der Arbeitsabläufe Ressourcen geschont werden.

Es stimmt, diese Art der Planung nimmt mehr Zeit in Anspruch, reduziert allerdings unnötiges Warten und Stehzeiten, verhindert, dass die Baustelle ins Stocken gerät und vermindert Verschwendung und andere Ausfälle enorm. Nur logisch, dass dies natürlich wieder Auswirkungen auf das Budget aller Beteiligten hat.

Das LCM fußt auf drei simplen Punkten.

„Lean Construction Management

Gesamtprozessanalyse – Prozessplanung – Tafelplanung“

 

Gesamtprozessanalyse

Wie wir bereits wissen, ist der erste Schritt im  Lean Construction Managment die Erstellung der Gesamtprozessanalyse des Gebäudes. Hier geht es in erster Linie darum, dass Gebäude in „Gleichbereiche“ einzuteilen. Das bedeutet, dass man genau festlegt, welche Bereiche in dem Projektgebäude gleiche Prozesse im Baugeschehen bedürfen.

Nachdem alle Gleichbereiche ermittelt sind, müssen alle Beteiligten aus Planung und Umsetzung gemeinsam die Prozessschritte festsetzen. Man erstellt die Gewerkezüge. Diese liefern die Reihenfolge, in denen sich die Gewerketeams durch die Gleichbereiche arbeiten sollen.

Hat man die ersten Schritte der Gesamtprozessanalyse des Lean Construnct Management erledigt, macht sich das Projektteam daran, die Gewerkezüge aufeinander abzustimmen.  Dieser Fahrplan gibt vor, welches Gewerk zu welcher Zeit durch die Gleichbereiche bewegt.

Dieser aufeinander abgestimmte Fahrplan soll die Baugeschwindigkeit steigern und gewährleisten, dass die eingesetzten Gewerketeams gleichbleibend und stetig Arbeit haben. So will man Leerstandzeiten verhindern. Die kommt auch der Kalkulation der General- und der Subunternehmen zugute.

Prozessplanung

„Ja, ja“, werden jetzt einige sagen, „Planung ist schön und gut, aber kommt es zu Änderungen oder Fehlern, ist die ach so schöne Planung hinfällig!“ Nun, das muss nicht sein.

Das Lean Construction Management bindet alle Gewerksleiter eng in den Entwicklungsprozess ein, damit sich der theoretische Plan überhaupt auf der Baustelle in die Tat umsetzten lässt.

Lean Construction Management nutzt also das Beste aller Beteiligten. Den Überblick der Projektplaner und die praktische Sichtweise der Umsetzer auf der Baustelle.

Idealerweise kontrollieren Planer und Baufirmen die Prozessplanung alle vier Wochen. Probleme werden so im Vorfeld schnell erkannt und nötige Schritte können eingeleitet werden, damit diese nicht an der Front ans Tageslicht kommen.

Tafelplanung

Die Tafelplanung erweist sich für alle als einfaches grafisches Tool, das allen Beteiligten die aktuellen und zukünftigen Prozessschritte aufzeigt.

Durch die Tafelplanung des Lean Construction Managment erhält man täglich den perfekten Überblick über die eigenen Aufgaben direkt auf der Baustelle. Auf der Tafel ist anhand von Steckkarten ersichtlich, was täglich abzuarbeiten ist, aber auch was bereits erledigt ist.  Damit dieses System funktioniert, müssen gewisse Baustellenroutinen eingeführt werden.

Beispielsweise soll jeder Tag eines Teamleiters mit einem Besuch bei der Tafel beginnen. Es obliegt in der Verantwortung jedes Teamleiters, dass die Aufgaben an jedem Tag abgearbeitet werden.

Abends wird kontrolliert, ob die Teams tatsächlich alles erledigen konnten, oder ob es zu Verzögerungen gekommen ist. Durch die Tafelplanung kann der Prozess bei Fehlern oder Unerwartetem entsprechend abgeändert werden. Die Qualität muss dabei immer auf dem geforderten Niveau bleiben.

Schwierigkeiten beim Lean Construction Managment

Grundsätzlich wird diese Methode der Planung und Umsetzung positiv angenommen. Die Schwierigkeit liegt bei dieser Methode eher darin, alle Beteiligten dazu zu bewegen, sich darauf einzulassen. Es erfordert ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten, um diese Art des Management optimal in die Tat umsetzten. Eine gute Kommunikationsbasis  ist der Ausgangspunkt für den Prozess,  damit die Zusammenarbeit noch vor Baustellenbeginn bei den ersten Schrittes des Lean Construction Management funktioniert. Hat man es soweit geschafft, geht es um Konsequenz bei der Einführung und Durchführung der LCM Baustellenroutinen (siehe oben).

Praktisches Beispiel Sanierung eines Gebäudes mit 4 Stockwerken

1. Lean Construction Management – Gesamtprozessanalyse 

Gleichbereiche festlegen. Man stellt also fest in welchen Bereichen des Gebäudes die gleichen Sanierungstätigkeiten stattfinden werden.

Gewerkzug 1: Im ersten, dritten und vierten Stockwerk  Stemmarbeiten für Neuinstallationeen (Elektrik / Heizung)

Angabe: Teamgröße, Startzeitpunkt, Fertigstellungsdauer, Fertigstellungszeitpunkt.

Gewerkzug 2: Im zweiten, dritten und vierten Stock Neuinstallation für Heizung

Angabe: Teamgröße, Startzeitpunkt, Fertigstellungsdauer, Fertigstellungszeitpunkt.

Gewerkzug 3:  Erstes Stockwerk Neuinstallation der Elektrik

Angabe: Teamgröße, Startzeitpunkt, Fertigstellungsdauer, Fertigstellungszeitpunkt.

Gewerkzug 4: Auf allen Stockwerken Verschließen der Wände.

Angabe: Teamgröße, Startzeitpunkt, Fertigstellungsdauer, Fertigstellungszeitpunkt.

2. Lean Construction Management – Prozessplanung

Kontrolle alle vier Wochen durch Planer und Umsetzer.

Prüfung wie aktuell die Prozessplanung ist oder ob man Anpassungen vornehmen muss.

3. Lean Construction Management – Tafelplanung

Teamleiter/innen arbeiten Tätigkeitskarten täglich ab und geben Rückmeldung über etwaige Probleme, die den Prozess beeinflussen könnten.

Unvorhergesehenes trotz Lean Construction Management

Kommt es unvorhergesehen zu einem Problem,  beispielsweise zu plötzlichen Mitarbeiterengpässen (während der Corona-Pandemie – keine Seltenheit) können Sie diese schnell und unkompliziert ausgleichen. So gerät der Lean Construction Plan nicht ins stocken und es kann problemlos weitergearbeitet werden.

Idealerweise haben Sie bereits Kontakt mit einem Vermittlungsexperten, wie Subauftrag. 350 fachkompetente und geprüfte Subunternehmen aus den Branchen Elektrik, HKLS, Schlosser/Schweisser, Industrie gehören bereits zum erfolgsgekrönten Netzwerk. Die Facharbeiterteams verfügen über die nötigen und geprüften Dokumente und können innerhalb von 3-5 Tagen vor Ort sein.
 

FAQ: Lean Construction Management

Die wichtigsten Fragen rund um Lean Construction – kompakt und praxisnah erklärt.

Was ist Lean Construction Management?
Lean Construction Management ist ein Managementansatz für Bauprojekte, der darauf abzielt,
Bauabläufe planbarer, effizienter und stabiler zu machen. Im Fokus stehen klare Prozesse,
saubere Abstimmung zwischen Gewerken und das Vermeiden von Verschwendung wie Stillstand,
Wartezeiten oder unnötiger Nacharbeit.
Welche typischen Baustellenprobleme lassen sich mit Lean Construction vermeiden?
Lean Construction hilft vor allem bei Terminverzögerungen, schlecht koordinierten Gewerkwechseln,
fehlenden Informationen, Materialengpässen und ungeplanten Stillständen. Probleme werden früh
erkannt und nicht erst dann, wenn sie Zeit und Geld kosten.
Für welche Bauprojekte eignet sich Lean Construction?
Lean Construction eignet sich für Neubauten, Umbauten und Sanierungen – unabhängig von der
Projektgröße. Besonders sinnvoll ist der Einsatz bei Projekten mit mehreren Gewerken und
komplexen Abläufen.
Welche Rolle spielen Subunternehmer im Lean Construction Management?
Eine zentrale Rolle. Lean funktioniert nur, wenn Subunternehmer frühzeitig eingebunden werden
und die Planung gemeinsam erfolgt. Gute Abstimmung reduziert Reibungsverluste, Verzögerungen
und Konflikte auf der Baustelle.
Ab wann sollte Lean Construction Management eingesetzt werden?
Idealerweise bereits in der Planungsphase. Aber auch laufende Bauprojekte können von Lean
profitieren – etwa durch strukturierte Wochenplanung, transparente Abläufe und konsequentes
Nachsteuern bei Abweichungen.
Benötigt man spezielle Software für Lean Construction?
Nein. Lean Construction ist keine Software, sondern eine Arbeitsweise.
Digitale Tools können unterstützen, entscheidend sind jedoch klare Prozesse,
Verbindlichkeit und Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

 

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