Gebäude aus dem Baukasten: Wie modulares Bauen den Wohnungsneubau beschleunigt

Fehlende Wohnungen, steigende Energiekosten. Knappes Baumaterial und Fachkräftemangel sind nach wie vor aktuelle Probleme der Branche. Den Retter in der Wohnungsnot sehen viele Branchenkenner im modularen Bauen.

Als architektonische Hingucker gelten die Ostblock-Plattenbauten der 80er Jahre nicht gerade. Effizient waren sie allerdings schon damals. Seinerzeit wurden sowohl Decken- als auch Wandscheiben aus Beton ab Werk vorgefertigt und zum Baugrund geliefert. Hier ließen sie sich dann nach einer Art Stecksystem zusammensetzen. Das ermöglichte es, innerhalb weniger Monate ganze Großsiedlungen zu errichten.

Comeback des Plattenbaus

Das Bild der Modulbauweise als monotone Einheitsarchitektur ist wohl im klassischen Plattenbau begründet. Dabei ist sie besser als ihr Ruf. So sieht die Bundesregierung im modularen Bauen einen “Schlüssel”, um “schneller und kostengünstiger” zu bauen. Demnach stelle modulares Bauen ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung des voranschreitenden Wohnraummangels dar.

Dass modulares Bauen dabei auch optisch überzeugen kann, zeigen Projekte wie das Norra Tornen in Stockholm. Von den Schweden auch als “Tor nach Stockholm” bezeichnet, erhielten die zwei Wohntürme den internationalen Hochhauspreis und zählen zu den beliebtesten Wohnlagen der schwedischen Hauptstadt. Grundlage für das Norra Tornen bilden mehrere hundert Einzelmodule aus Betonfertigteilen, die versetzt miteinander zu einem über 100 Meter hohen Wohnkomplex verbunden sind.

Von Holzrahmenbau bis hin zu Wohncontainern

Kennzeichnend für die Modulbauweise ist die Verwendung vorgefertigter Bauelemente. Ein Großteil des Bauprozesses wird dabei von der Baustelle in die Fabrik vorverlagert. Dabei müssen die Fertigbauteile nicht zwingend aus Beton bestehen.

Gerade im privaten Wohnungsbau kommen zunehmend Holzelemente zum Einsatz. Beim Holzrahmenbau bildet ein tragendes Skelett aus Holzstreben das Grundgerüst der Immobilie. Dieses trägt Wand- und Deckenelemente, die aus sogenannten Sandwichpaneelen bestehen und einen Dämmkern beinhalten, der von einer Innen- und Außenschale aus Holz umgeben ist. Anders als im privaten Neubau bestehen die Rahmenkonstruktionen im gewerblichen Modulbau zumeist aus Stahl.

Neben dem Material unterscheiden sich Formen des modularen Bauens im Grad ihrer Vorfertigung. Skelettbauten wie der Holzrahmenbau bestehen aus mehreren vorproduzierten Fertigelementen, die am Baugrund zusammengesetzt werden.

Einen höheren Vorfertigungsgrad weist das Bauen mit vollständig vormontierten Einzelmodulen auf. Beim Containerbau setzen Bauträger auf bezugsfertige Raumeinheiten. Diese sind bereits vollständig ausgestattet mitsamt Küche und Sanitäranlagen und lassen sich mit einem Kran-LKW zum Baugrund liefern. Vor Ort erfolgt lediglich noch der Anschluss an das örtliche Versorgungsnetz. Auf diese Weise lassen sich Wohneinheiten effizienter errichten.

Modulbau gegen den Wohnraummangel

Ein von der Bundesregierung verabschiedetes Maßnahmenpaket sieht modulares Bauen als ein zentrales Mittel, um die Lücke zu schließen. Die Vorfertigung einzelner Bauelemente ab Werk führt dazu, dass sich Gebäude in deutlich kürzerer Bauzeit errichten lassen. Darüber hinaus erweist sich das modulare Bauen als termintreuer als andere Bauweisen. Das liegt daran, dass ein Großteil der Fertigung in einer zentralen Produktionsstätte erfolgt. Am Baugrund selbst entfällt beispielsweise die Trockenzeit für Beton, da Fertigbauteile bereits vorproduziert eintreffen. Dadurch ist das modulare Bauen weitestgehend unabhängig von Witterung und Temperatur.

Energieeffizienz durch Zentralisierung

Die Zentralisierung der Produktion von Bauelementen adressiert dabei eine weitere große Herausforderung unserer Zeit – die Einsparung von Ressourcen. In dem Werk, in dem die Produktion der Bauteile stattfindet, lassen sich anfallende Bauabfälle deutlich besser recyceln als auf der Baustelle. Hinzu kommt die Reduktion von Baustellenverkehr, da nicht mehr alle einzelnen Komponenten zum Baugrund geliefert werden, sondern diese in Fertigmodulen bereits vereint sind.

Darüber hinaus ermöglicht es die Modulbauweise, einzelne Elemente oder sogar ganze Raumeinheiten eines fertigen Gebäudes wieder zu entfernen, sofern sie nicht länger benötigt werden. Diese lassen sich dann an anderer Stelle wiederverwenden. Dadurch fördert das modulare Bauen eine Kreislaufwirtschaft.

Die Bauform der Zukunft?

Was die Kostenersparnis angeht, sind die Unterschiede zum konventionellen Bauen allerdings noch vernachlässigbar. Zwar ist der Personalaufwand geringer, doch sind die Produktionskosten häufig höher, da viele Fertigungswerke nicht bei voller Auslastung arbeiten. Auch der Transportweg vom Werk bis zur Baustelle ist aufgrund der geringen Dichte an Fertigungsstandorten häufig lang und treibt die Kosten.

FAQ: Modulares Bauen

Einordnung, Hintergründe und Nutzen für Auftraggeber im Wohnungs- und Industriebau.

Was versteht man unter modularem Bauen?
Modulares Bauen bezeichnet eine Bauweise, bei der Gebäude aus vorgefertigten Bauelementen oder kompletten Raummodulen zusammengesetzt werden. Ein Großteil der Produktion erfolgt dabei bereits im Werk, bevor die Module auf der Baustelle montiert werden.
Warum gewinnt modulares Bauen aktuell an Bedeutung?
Der Wohnungsbau steht unter enormem Druck. Laut Deutschem Mieterbund fehlen bundesweit hunderttausende Wohnungen. Gleichzeitig erschweren Fachkräftemangel, Materialengpässe und steigende Baukosten den Neubau. Modulares Bauen ermöglicht es, Projekte deutlich schneller umzusetzen und Planungsrisiken zu reduzieren.
Wie schnell kann mit Modulbau gebaut werden?
Studien zeigen, dass sich Bauprojekte durch modulare Bauweise um etwa 20 bis 50 Prozent schneller realisieren lassen. Viele Arbeitsschritte erfolgen parallel im Werk und auf der Baustelle.
Aus welchen Materialien bestehen Module?

Module können aus unterschiedlichen Materialien gefertigt werden, zum Beispiel:

  • Betonfertigteile
  • Stahlkonstruktionen
  • Holzelemente
  • Containerlösungen

Die Materialwahl hängt vom Einsatzbereich und den Anforderungen des Projekts ab.

Welche Bauprojekte eignen sich besonders für Modulbau?

Modulares Bauen wird unter anderem eingesetzt bei:

  • Wohnanlagen
  • Bürogebäuden
  • Industrieanlagen
  • öffentlichen Gebäuden
  • temporären Gebäudelösungen

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